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Eine 650jährige bemalte Leinwand (Forts.)

Ein Platz im Museum
Angesichts der Bedeutung der Fahne war klar, dass sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und zu diesem Zweck im Appenzeller Brauchtumsmuseum Urnäsch ausgestellt werden sollte. Die Fahne ist nach der Restaurierung durch Meri Tuuli Aegerter, der inzwischen diplomierten Restauratorin, so in einen Stahlrahmen montiert worden, dass sie von beiden Seiten betrachtet werden kann, denn das schöne Stück ist beidseitig bemalt.

Raffinierte Restaurationstechnik
Meri Tuuli Aegerter hat auf 193 Seiten einen perfekten Forschungsbericht über ihre Arbeit an der Urnäscher Fahne geschrieben. Darin enthalten sind zahlreiche Illustrationen, Diagramme, Fotos und Zeichnungen von Mikroschliffen und Tabellen, Aufnahmen unter Infrarot- und Ultraviolettlicht, Röntgenbilder und solche durch das Rasterelektronen- und das Polarisationsmikroskop. Kurz: Das ganze Instrumentarium moderner Technik ist zum Einsatz gekommen. Dazu erhärteten stilistische Vergleiche den Befund, dass die Fahne um 1350 entstanden ist.

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Keine weiteren Schäden
Die Untersuchungen ergaben, dass der Bildträger aus Leinwand besteht, die zum Teil durch mikroskopisch kleine Eisenpartikel mit Rostflecken gesprenkelt ist. Weil die Vitrine geschlossen ist und nicht mehr als 50 Prozent Luftfeuchtigkeit aufweist, werden diese Schäden nicht mehr weiter wachsen und das Gewebe nicht mehr weiter zerfressen.
Die Malereien sind nicht ergänzt, sondern im ursprünglichen Zustand belassen worden. Nach heutiger Auffassung geht es nicht darum, ein möglichst hübsches Bild zu präsentieren, sondern Massnahmen zu treffen, dass die ursprüngliche Malerei gesichert werden kann.
Früher war man diesbezüglich weniger zimperlich. Das Gesicht des Apostels Philippus und andere Teile sind früher auf einer Seite recht deutlich nachgemalt worden. Darum ist die eine Seite für den Betrachter spannender, weil sie noch im Originalzustand ist.
Hans Hürlimann